Schnellantwort
Gülle separieren trennt die Rohgülle in eine dünne, pumpbare Phase und eine dicke, stapelbare Phase. Das bringt mehr Lagerraum, Einstreu aus den Feststoffen und leichteres Verschlauchen. Als mobile Lohndienstleistung kostet das meist 1,50 bis 2 Euro je Kubikmeter Rohgülle.
Was passiert beim Gülle separieren?
Beim Separieren wird die Rohgülle in zwei Teile getrennt. Ein Pressschnecken-Separator presst die Gülle gegen ein feines Sieb. Die Flüssigkeit läuft durch das Sieb ab. Die festen Bestandteile bleiben zurück und werden vorne als feuchter Kuchen abgepresst.
So entstehen zwei Fraktionen:
- Die dünne Phase ist flüssig und pumpbar. Sie enthält viel löslichen Stickstoff und Kalium. Sie geht zurück in den Behälter oder direkt aufs Feld.
- Die dicke Phase ist krümelig und stapelbar. Sie enthält viel Phosphor und organische Substanz. Sie lässt sich als Einstreu, Kompost oder Transportware nutzen.
Ein praktisches Rechenbeispiel zeigt die Größenordnung. Aus einer Tonne Rindergülle mit 8 Prozent Trockensubstanz entstehen rund 900 Kilogramm Dünnphase mit etwa 5 Prozent TS und 100 Kilogramm Feststoffe mit rund 30 Prozent TS. Das hat der Hersteller Stallkamp so beschrieben. Wie trocken die Feststoffe ausfallen, hängt vom eingestellten Gegendruck ab. Ein hydraulischer Kegelkopf regelt diesen Druck. Je höher der Druck, desto trockener das Pressgut.
Welche Technik steckt im Gülleseparator?
In der Landwirtschaft hat sich der Pressschnecken-Separator durchgesetzt. Er ist robust, einfach im Aufbau und braucht wenig Wartung. Eine langsam drehende Schnecke fördert die Gülle gegen das Sieb und baut den Pressdruck auf. Bekannte Hersteller sind Bauer mit der FAN-Reihe, Börger, Vogelsang und Stallkamp.
Neben der Pressschnecke gibt es noch die Zentrifuge, auch Dekanter genannt. Sie schleudert die Feststoffe heraus und erreicht eine bessere Phosphor-Abscheidung. Die Zentrifuge ist aber teurer im Kauf und im Betrieb. Für den normalen Tierhalter reicht die Pressschnecke fast immer aus.
Mobil oder stationär ist die zweite Grundfrage. Ein stationärer Separator steht fest am Behälter und läuft, sobald das Lager voll wird. Er passt zum Betrieb, der ständig Einstreu braucht. Die mobile Anlage kommt auf dem Anhänger oder dem Lastwagen zum Hof, separiert den ganzen Behälter in wenigen Stunden und fährt weiter zum nächsten Kunden. Genau dieses mobile Verfahren ist das klassische Geschäft für den Lohnunternehmer.
Beim Durchsatz gibt es große Spannen. Stationäre Pressschnecken schaffen meist 10 bis 15 Kubikmeter je Stunde. Mobile Anlagen für den Lohneinsatz sind deutlich stärker. Ein Anhänger mit einem Börger-Aggregat erreicht 80 bis 110 Kubikmeter je Stunde. Doppelaggregate auf dem Lastwagen schaffen 160 bis 250 Kubikmeter je Stunde. Das hat das Lohnunternehmen Blankemeyer für seine Technik angegeben. Wichtig: Mit steigender Trockensubstanz sinkt die Leistung. Dicke Schweinegülle läuft schneller durch als zäher Gärrest.
Welchen Nutzen bringt das Separieren?
Der Nutzen liegt nicht in einem einzelnen Punkt, sondern in der Summe. Für Betriebe mit hohem Tierbesatz und wenig Fläche ist das Separieren oft der entscheidende Schritt.
Mehr Lagerraum. Die dünne Phase braucht weniger Platz im Behälter, weil die schweren Feststoffe heraus sind. Das Lohnunternehmen Blankemeyer nennt eine Entlastung von bis zu 30 Prozent. Wer knappe Lagerkapazität hat, gewinnt damit Luft über die Sperrfrist.
Einstreu aus den Feststoffen. Die abgepresste dicke Phase lässt sich nach kurzer Lagerung als Liegeboxen-Einstreu nutzen. Das spart den Zukauf von Stroh oder Sägemehl. Beim Lohnunternehmer liegen die Kosten je Box dann oft bei 70 bis 80 Euro im Jahr.
Bessere Nährstoffverteilung. Die dünne Phase verteilt sich gleichmäßiger auf dem Feld. Der Stickstoff ist schneller pflanzenverfügbar, weil weniger Feststoff die Aufnahme bremst. So lässt sich die Düngung gezielter steuern und mineralischer Dünger einsparen.
Leichteres Verschlauchen. Die dünne Phase verstopft Schlauch und Verteiler nicht so leicht. Das macht das Verschlauchen der Gülle schneller und sicherer. Auch der Schleppschlauch arbeitet sauberer. Wer ohnehin bodennah ausbringen muss, profitiert hier doppelt.
Weniger Geruch. Die separierte Gülle riecht beim Ausbringen schwächer. Die dünne Phase zieht zudem schneller in den Boden ein. Das senkt die Geruchsbelastung in der Nachbarschaft.
Für Betriebe in roten Gebieten kommt ein weiterer Punkt dazu. Wer Nährstoffe trennt, kann den phosphorreichen Feststoff gezielt dorthin bringen, wo er gebraucht wird, und die stickstoffbetonte Dünnphase getrennt davon ausbringen. Das hilft, die Obergrenzen je Hektar einzuhalten, ohne Fläche zu verschenken.
Was kostet Gülle separieren als Lohndienstleistung?
Die Frage nach den Kosten ist zentral. Es gibt zwei Wege: den eigenen Separator oder die mobile Lohndienstleistung. Für die meisten Betriebe ist der zweite Weg günstiger.
Mobile Lohnseparation. Sie kostet meist 1,50 bis 2 Euro je Kubikmeter Rohgülle. Diesen Wert nennt agrarheute am Beispiel des Maschinenrings Schwäbisch-Hall bei rund 20 Kubikmeter Stundenleistung. Die Abrechnung ist dort gestaffelt: ein Stundensatz von 20 Euro, eine Grundgebühr von 0,30 Euro je Kubikmeter, ab 2.000 Kubikmeter im Jahr nur noch 0,25 Euro je Kubikmeter, dazu 1 Euro je Kilometer Anfahrt und 20 Euro je Stunde für Auf- und Abbau.
Einzelbetrieblicher Betrieb. Wer einen eigenen Pressschnecken-Separator samt Pumpe betreibt, rechnet mit 0,80 bis 1,25 Euro je Kubikmeter. Hier fehlt zwar die Anfahrt, dafür trägt der Betrieb die ganze Investition und die Wartung allein.
Zentrifuge im Lohn. Die Zentrifuge ist teurer. Hier nennt agrarheute am Beispiel der Raiffeisen Emsland-Süd rund 7 Euro je Kubikmeter. Sie lohnt sich nur, wenn der Betrieb eine sehr scharfe Phosphor-Trennung braucht.
Als Lohnunternehmer gibt es zwei saubere Wege, das abzurechnen. Entweder je Kubikmeter durchgesetzter Rohgülle oder nach Stunde plus Anfahrt und Rüstzeit. Die Mischform aus dem Schwäbisch-Hall-Beispiel verbindet beides und ist fair für beide Seiten. Eine grobe Einordnung der branchenüblichen Sätze findet sich auch in den Maschinenring-Verrechnungssätzen.
Wie kalkuliert der Lohnunternehmer das Separieren?
Der Preis je Kubikmeter klingt klein. Bei der Kalkulation zählt aber, wie viele Kubikmeter pro Stunde tatsächlich durchlaufen. Genau das schwankt stark mit der Gülleart und dem Trockensubstanzgehalt.
Drei Stellschrauben bestimmen den Stundenertrag:
- Der Durchsatz. Eine Anlage mit 100 Kubikmeter je Stunde bringt das Fünffache einer 20-Kubikmeter-Anlage. Die schwere Technik amortisiert sich nur bei hohen Mengen je Einsatz.
- Die Rüstzeit. Auf- und Abbau, Schläuche legen, anpumpen — das frisst Zeit ohne Durchsatz. Lange Anfahrt und kleine Mengen je Hof drücken die Marge.
- Die Auslastung. Eine teure Anlage muss viele Tage im Jahr laufen. Ein einziger Großbetrieb mit hohem Bedarf an Einstreu trägt die Anlage besser als viele kleine Gelegenheitsaufträge.
Wer das sauber durchrechnen will, sollte mit dem Stundensatz-Rechner für Lohnunternehmer anfangen. Damit lassen sich Fixkosten, Diesel, Lohn und Gewinnaufschlag auf die realistische Stundenleistung umlegen. Erst daraus ergibt sich ein belastbarer Preis je Kubikmeter. Wer hier zu optimistisch rechnet, fährt im Lohn drauf.
Ein Hinweis zur Saison: Das Separieren hängt eng mit der Ausbringung zusammen. Die dünne Phase muss raus, sobald die Sperrfrist endet. Wer das Separieren und das Ausbringen aus einer Hand anbietet, hat einen klaren Vorteil beim Kunden.
Kurz zusammengefasst
- Gülle separieren trennt Rohgülle in eine dünne, pumpbare und eine dicke, stapelbare Phase.
- Aus einer Tonne Gülle mit 8 Prozent TS entstehen rund 900 kg Dünnphase und 100 kg Feststoffe.
- In der Praxis dominiert der Pressschnecken-Separator: robust, einfach, wartungsarm.
- Durchsatz: stationär 10 bis 15, mobil 80 bis 110, Doppelaggregat bis 250 Kubikmeter je Stunde.
- Nutzen: mehr Lagerraum, Einstreu, bessere Nährstoffverteilung, leichteres Verschlauchen, weniger Geruch.
- Mobile Lohnseparation kostet meist 1,50 bis 2 Euro je Kubikmeter, einzelbetrieblich 0,80 bis 1,25 Euro.
- Die Zentrifuge ist schärfer in der Trennung, aber mit rund 7 Euro je Kubikmeter deutlich teurer.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen fachlichen Überblick. Preise und Durchsätze schwanken stark mit Gülleart, Trockensubstanz und Anlage. Die genannten Werte sind belegte Beispiele, keine Festpreise.
Separieren und Verschlauchen sauber kalkulieren
Das Separieren ist nur die halbe Miete. Den größten Nutzen bringt es, wenn die dünne Phase danach zügig und sauber aufs Feld kommt. Wer beide Schritte anbietet, sollte den Preis sauber rechnen — die Grundlagen stehen in den Beiträgen zur Gülleverschlauchung: Meterpreis oder Hektarsatz und im Stundensatz-Rechner für Lohnunternehmer.
Und wer als einer der ersten Zugang zur Hofwerk-Plattform für Lohnunternehmer bekommen möchte: auf die Warteliste.